Soll ich gehen oder bleiben?

Was macht eine gute Beziehung aus ? Und wann ist sie gut genug ? Kann Mann/Frau zu anspruchsvoll sein? Wozu und wie lange ist es sinnvoll "durchzuhalten"? Gibt es noch etwas zu verändern, zu fordern, zu erreichen - oder ist der Ofen aus ?

Und was kommt hinterher?

 

Dies und ähnliche Fragen beschäftigen viele meiner Klienten.In diesem Zusammenhang spricht man auch von "Trennungsambivalenz", einem energieraubenden Zustand beständigen Grübelns über Vor- und Nachteile einer Beziehung/Trennung. Es gibt Literatur zum Thema, am besten gefällt mir persönlich noch immer Mira Kirschenbaums "Soll ich bleiben oder gehen?" In diesem Buch stellt sie "diagnostische" Fragen von absteigender Bedeutung, die Klarheit bringen sollen.

 

Letztlich aber ist jeder bei dieser Entscheidung auf sich allein gestellt. Von ganz eindeutig schlechten Beziehungen mit Gewalt, Fremdgehen, Dauerstreit...mal abgesehen, ist es schwer objektive Argumente für oder gegen eine Beziehung zu finden. Jeder muss seine eigenen Maßstäbe entwickeln, seine Standards, die ihm/ihr Orientierung geben können. Für meine Klienten ist es wichtig, wieder ihre innere Stimme zu hören, zu spüren, ob diese Beziehung gut für sie ist und wieviel Neuanfang sie wagen wollen oder können. Oft regen sich  Ängste: Kann ich alleine für mich sorgen? Werde ich überhaupt wieder einen Partner/Partnerin finden ? Kann ich alleine leben ? ...

 

Der amerikanische Beziehungsforscher John Gottman sagt anhand des Kommunikationsstils eines Paares mit hoher Trefferquote voraus, wie Chancen eines Paares auf eine gute Zukunft stehen. Kritik Gegenangriff, Verachtung und Mauern - diese Verhaltensweisen sind für ihn die "apokalyptischen Reiter", die das Ende eines gedeihlichen Miteinanders ankündigen.

Dass viele Paare trotzdem zusammen bleiben und eine unglückliche Beziehung von großer Haltbarkeit sein kann, wissen Sie so gut wie ich. Die Frage ist immer, wer bereit ist, die Verantwortung für eine Veränderung zu übernehmen. 

 

Beziehungen sind menschliche Entwicklungslabore, sagt Dr. David Schnarch, ein weiterer US-Paar- und Sexualtherapeut. Viele Probleme, die wir in Paarbeziehungen haben, besonders in Langzeitbeziehungen, hätten wir vielleicht alleine nicht. Allerdings soll es auch unglückliche Singles geben. Was ich damit sagen will, ist: Paarbeziehungen geben uns die Chance anzuecken, Partner sind auch so etwas wie Trainer, sie zeigen uns, wo wir wunde Punkte haben und unser Denken und Verhalten reflektieren sollten. Es ist verführerisch dem Gegenüber die Schuld zu geben am eigenen Unbehagen, an Unzufriedenheit, verpassten Chancen und ungelebten Anteilen. Aber ist oft nicht hilfreich, nicht ausreichend.

 

Egal wohin wir gehen, wir haben uns selbst immer dabei - auch jene Anteile, von denen wir nichts wissen wollen und die wir gerne zusammen mit unguten Gefühlen beim Ex oder bei der Ex lassen wollen.

"Jeder muss sich austrinken wie einen Kelch", schrieb Christian Morgenstern.

 

Es gibt keinen einfachen und schmerzlosen Weg, weder im Bleiben noch im Gehen. Ich begleite viele Menschen ein Stück ihres Weges und erlebe, wie sehr sie mit sich und auch miteinander ringen, um zu Nähe, Wahrhaftigkeit und Lebensfreude zu gelangen. Dieser Prozess ist immer ergebnisoffen und bleibt dies auch, denn allen Schwüren zum Trotze gibt es keine statischen Zustände, nicht im Leben und nicht in Beziehungen.

 

Von großer Bedeutung ist es in meinen Augen, sich kritisch auseinander zu setzen mit Werturteilen, Glaubenssätzen und Annahmen über die eigene Natur sowie die des/der Partners/in, die der Wahrnehmung des Selbst und des Gegenübers allzu enge Grenzen setzen.

Manche Menschen verwechseln ihren Partner jahrelang mit ihrem Vater oder ihrer Mutter. Wenn sie beginnen, diese Projektionen zu hinterfragen tauchen neue Lebens- und Beziehungschancen auf - ob nun getrennt oder gemeinsam.

 

 

 

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